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Damit die Kirschen nicht zu klein bleiben

Lars Nüchter und seine Firma "aqvo"

 


Der Firmenname der GmbH ist kurz und damit einprägsam: „aqvo“ – und er hat etwas mit Wasser zu tun. Das Wort leitet sich aus der Kunstsprache Esperanto ab. Lars Nüchter aus Maintal-Bischofsheim ist der Geschäftsführer. Er hat die Gesellschaft im Frühjahr 2008 aus der Taufe gehoben. Die Philosophie seines kleinen Unternehmens: die immer knapper werdende Ressource Wasser sinnvoll ökonomisch einzusetzen.

Lars Nüchter hat schon lange mit Wasser zu tun. Er stammt aus Frankenberg/Eder, wo er 1967 geboren wurde. Nach dem Abitur und der Bundeswehr begann er ein Jurastudium, das er mit dem ersten Examen abschloss. Bereits als Student jobbte er im Lager einer großen Firma, die Bewässerungsanlagen vertreibt. Nüchter machte sich unentbehrlich, die Jura-Kenntnisse waren von Vorteil. Er las die Verträge und beriet den Geschäftsführer. So kam es, dass er schnell von der Aushilfskraft die Leiter emporstieg. Als der dann nach dem ersten Examen auf eine Referendarstelle in Frankfurt – nach außerhalb wollte er nicht – wartete, war er mit „vollem Eifer“ bei der Firma. Das Warten dauerte zu lang, Lars Nüchter machte Karriere bei einer Firma, die ihn nach Israel schickte. Weiterbildung in Hydraulik und Planung für Bewässerungsanlagen waren dabei. „Viel Mathematik gehört dazu“, sagt Nüchter, „aber auch Kenntnisse der Fließgeschwindigkeit, der Reibungsverluste, des Bodens.“ Später wurde er nach Frankreich geschickt, um seine Kenntnisse in Praxis und Theorie zu verbessern. Als Bewässerungsspezialist hielt er 2003/2004 Vorträge an deutschen Fachhochschulen.
Irgendwann 2007 hatte sein Konzern einen neuen Chef in Israel bekommen. Die neue Unternehmensstrategie gefiel Lars Nüchter nicht. „Wenn ich nicht mit Leib und Seele dahinter stehe, kann ich nichts verkaufen“, sagt er. Er verließ das Unternehmen, meldete sich arbeitslos, doch zugleich mit dem Gedanken, sich selbständig zu machen. „Das Know-how hatte ich dazu“. Und dann ging alles doch sehr schnell. Er fühlte bei potentiellen Interessenten vor, arbeitete Pläne aus und holte Informationen ein. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) wurde ihm der Gründungsberater Andreas Hammer empfohlen. Dieser hat ihm dann den schon ausgearbeiteten Businessplan zurechtgefeilt, so „dass ihn auch die KfW verstand“, sagt Nüchter. Und überall habe Hammer eingegriffen, wenn sich plötzlich eine Hürde auftat, „die ich nicht gesehen“ habe. Innerhalb weniger Monate war dann die GmbH gegründet – auch dank der schnellen Entscheidung der Frankfurter Volksbank mit ihrem Berater Andrew Rodd.

Lars Nüchter sieht sich als Generaldistributor der „Naan dan Jain-Gruppe“ für Deutschland und Österreich, ein weltweit führender Hersteller kompletter Bewässerungssysteme. Damit ist Nüchter zu einem Konkurrenten gewechselt. Seine Arbeit bringt er mit wenigen Worten auf den Punkt: „Wenn die Kirschen zu klein sind, dann hat der Obstbauer keinen Verdienst, wenn die Kartoffel nicht Chips-gerecht zum Hersteller kommt, bleibt der Gewinn aus.“ Dies zu ändern, ist die Aufgabe von Lars Nüchter. „Man pfuscht der Mutter Natur ins Handwerk und dosiert das Wasser und den Dünger so, dass abhängig vom Boden, den Klimaeinflüssen und der Topographie des Geländes das Gewünschte geerntet werden kann. Damit erhält jeder Landwirt seine individuell auf seine Anbaufrucht zugeschnittene Bewässerungsanlage.“ Involviert ist dabei immer der örtliche Händler, der dann den Landwirt beliefert, der für Wartung und Ersatzteile zuständig ist. Gurken in Bayern und im Spreewald, Kartoffeln in Niedersachsen, Wein an Saar und Mosel, die Liste der von Nüchter gepuschten Erzeugnisse ist lang.

Lars Nüchter war schon immer ein Freund des Outsourcen. Er kauft das benötigte Spezialwissen dazu und fährt damit seit anderthalb Jahren ausgezeichnet. Inzwischen hat der Motorradfan sogar eine schwere Maschine als Dienstfahrzeug. Nicht überall im Gelände eignen sich wegen der Feldwege Autos, aber Lars Nüchter muss raus, muss vor Ort sein. So schwingt er sich fröhlich aufs Krad. Übrigens: Ehefrau Nicole arbeitet ebenfalls in der Firma mit. Beider Stolz ist die sechsjährige Tochter Lisa-Marie.


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