Mit Kleopatra im Bade
Geheimtipp in Frankfurt: Das Künstlerhotel Nizza an der Elbestraße
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Das Hotelschild ist unaufdringlich. Keine schreiende Neonreklame , sonst im Frankfurter Bahnhofsviertel üblich, weist auf die Unterkunft hin. Lediglich auf den Fensterscheiben steht "Nizza" und "Hotel". "Der Gast muss klingeln", sagt Chefin Ursula Gerner. "Er wird persönlich mit Handschlag begrüßt. Wir wollen keinen anonymen Hotelbetrieb."
Seit im Jahre 2004 "Time magazine" das Hotel Nizza an der Frankfurter Elbestraße 10 zum besten Hotel in der Main-Metropole gekürt hat, ist der Geheimtipp zu Messezeiten ausgebucht. Ursula Gerner (36) und ihr Mann Frank Pötzel (38) sind stolz darüber: hat sich doch die Übernahme von den Eltern gelohnt.
Das Hotel Nizza stellt in der Bankenstadt Frankfurt etwas außergewöhnliches dar. 1988 von der Stadt auf den Weg gebracht, ist es seit 1993 als Künstlerhotel konzipiert. Die Kulturschaffenden sollten in einem stilvollen Haus einen angenehmen Aufenthalt genießen. Das im Gründerstil 1903 erbaute Haus hatte schon viele Gesichter. Es war einst Wohnhaus, später Wohnheim, wurde Radio- und Fernsehgeräte-Laden; schließlich war eine Gaststätte im Erdgeschoss, bis eben der politische Wille 1988 es zum Künstlerhotel hochstilisierte.
Hotelchefin Ursula Gerner hat nach dem Abitur Geisteswissenschaften studiert, hat in Berlin eine Ausbildung als Maskenbilderin absolviert. Den schönen Künsten hat sie sich hingezogen gefühlt. Und so war es auch selbstverständlich, dass sie mit ihrem Mann Frank Pötzel 2003 das von den Eltern geführte Künstlerhotel in Frankfurt übernahm. Zwei Schlaganfälle der Mutter hatten die Familie vor die Wahl gestellt: aufgeben oder übernehmen. "Was die Eltern aufgebaut haben, wollen wir fortführen", sagt Gerner. Behutsam haben beide den Stil der Eltern weiter entwickelt. Ein Gründungsdarlehen der KfW half dabei. Da gibt es weder Plüsch noch Plastik, sondern stilvoll eingerichtete Zimmer mit Parkettfußboden. Das Image des Künstlerhotels weht durchs ganze Haus und ist nicht nur an den wohlfeilen antiken Schränken zu spüren.
25 Zimmer hat das Haus, 43 Betten insgesamt. Gerade mal passend für einen Familienbetrieb mit 13 zumeist Teilzeitkräften. Die Ausstattung ist unterschiedlich. Die Einzelzimmer mit Dusche und WC kosten 85 Euro, die Doppelzimmer 115 Euro. Wer aber mit Kleopatra baden möchte, sollte lieber Zimmer mit Etagenbad (70 bzw. 90 Euro) buchen. Dieses luxuriöse Etagenbad wird von einem Monumentalgemälde von Edwin Gut eingenommen, eben von Kleopatra im Bade. Eine amüsante Gesellschaft, die da im Wasser plantscht.
Schon allein das Frühstück lohnt den Nizza-Aufenthalt. Dabei ist nicht die Rede von den kulinarischen Köstlichkeiten, sondern von dem Ambiente. Bei schönen Wetter zieht es die Gäste nämlich von dem Frühstücksaal auf die Dachterrasse, die einen Blick auf die Frankfurter Skyline gönnt. Die Blumenpracht in den Terrakotta-Töpfen dazu ist unbeschreiblich. Der erlernte Beruf des Hotelchefs Frank Plötzel wird offenkundig: Landschaftsgärtner. Betriebswirt Andreas Hammer (Niederdorfelden), der das Gründungskonzept zur Hotelübernahme fachlich begleitete, war bei den dienstlichen Besuchen so von dieser Terrasse angetan, dass jedesmal der Abschied schwer fiel.
Diskretion ist für Ursula Gerner und Frank Pötzel Ehrensache. Künstler sind nun mal Individualisten. Sie wollen einerseits hoffiert werden, andererseits aber auch anonym bleiben und sich nur wohl fühlen. Und so sind beide zurückhaltend in den Aussagen, welche Schauspieler und Sänger hier schon übernachtet haben, welche Autoren die Frankfurter Buchmesse besucht und dabei im "Nizza" geschlafen haben. Einen Gast allerdings nennt Gerner schon: Alfred Biolek.
Ein Künstlerhotel - noch dazu fünf Minuten vom Bahnhof und zudem in einem Gründerzeitbau, der alle Kriegswirren überstanden hat und damit Charme ausstrahlt - lebt vielfach von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Doch die moderne Technik ist inzwischen klammheimlich eingezogen: On-line-Buchungen sind jetzt möglich. Und das ist gut so.
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