Gastronomie wird wieder finanziert
Angelo Moro bietet in seiner Bad Orber Gelateria 50 Eissorten an
![]() |
||
Der agile Eiscafébesitzer Angelo Moro, der seit geraumer Zeit am Marktplatz 4/6 in der Bad Orber Innenstadt seine Gelateria "Antica Roma" betreibt, sprüht nur so voller Ideen. Der Kunde steht bei ihm ganz oben; dabei hat er ein Herz für Kinder. Für Schulklassen gibt es Sonderaktionen. Eine spezielles Wassereis, der Gesundheit zuliebe, ist ebenfalls im Angebot. Bad Orb ist eine Kurstadt für Groß und Klein.
Der Einstieg war für den 38-Jährigen nicht einfach. In der Gastronomiebranche ist die Fluktuation hoch. Die Kreditinstitute verhalten sich dementsprechend abweisend und scheuen das Risiko. Dies bedeutet: keine Kredite. Doch Finanzierungsexperte Andreas Hammer aus Niederdorfelden arbeitete mit den Ideen von Angelo Moro ein solides Gründungskonzept aus. In den Verhandlungen konnte er den örtlichen Sparkassendirektor davon überzeugen und das anfängliche Mißtrauen ausräumen. Der Kredit wurde gewährt. Und da der Pachtpreis annehmbar war, konnte der 38-Jährige einsteigen.
Angelo Moro hat italienische Ideen mitgebracht und sie mit deutschen Gewohnheiten gepaart. Die Mund-zu-Mundpropaganda gibt ihm recht. Da waren neulich, erzählt er, zwölf Ordensschwestern aus dem Ruhrpott in seinem Café. "Sie wollten unbedingt meinen Capuccino probieren, vom dem ein Kurgast so geschwärmt hatte." Ein bisschen stolz ist er schon darauf, dass die Nonnen zufrieden wieder gingen. Und auch der "Leckerscheck", eine Werbeaktion mit dem benachbarten Bekleidungsgeschäft, ist ein Erfolg. Wer dort Kleidung einkauft, erhält gratis diesen "Leckerscheck" und kann ihn sofort einlösen.
Angelo Moro liebt Kinder, hat selbst zwei zu Hause und eine Frau, die Erzieherin in einem Kindergarten ist. In Hainburg im Kreis Offenbach ist der Lebensmittelpunkt der Familie; dort ist er integriert ins Dorfleben. Der Italiener, der schon früh nach Deutschland kam, ist seiner Herkunft nach eine Mischung aus Sizilianer und Friauler. Das gefällt ihm. Und er sei zu Hause und nicht im Krankenhaus geboren, sagt er stolz. In Hainburg hat er die Schule besucht, hat als Facharbeiter auf dem Bau und im Baustoffhandel als kaufmännischer Mitarbeiter gearbeitet. Der Vater ist handwerklich begabt, hat Ähnliches geschafft.
Irgendwann haben die Eltern im Hanauer Stadtteil Klein-Auheim, also unmittelbar an Hainburg gelegen, ein Eiscafé ("Eis-Moro") eröffnet. Der Vater hatte alte Familienrezepte ausgegraben und sie verfeinert. Auch Angelo Moro wollte sich selbstständig machen. Der Zufall kam ihm zu Hilfe. Ein Freund aus Seligenstadt machte ihn auf die Räumlichkeiten in Bad Orb aufmerksam.
50 verschiedene Eissorten sind in der Kühltheke zu finden, auch mehrere für Diabetiker. "Immer mehr wird dieses Eis verlangt, da ist es selbstverständlich, dass ich das Angebot vergrößert habe", sagt er. Als Spezialität bietet er "Granita" an, ein Mixgetränk mit Eis auf Wasser-Basis und mit frischen Früchten. Viele der Eisrezepte stammen aus Familienbesitz.
Zu dem reichhaltigen Angebot seiner Gelateria gehören auch die Tees. Über 20 verschiedene Sorten (vom Wellness- bis zum Kräutertee) werden von der Bedienung aufgebrüht. Das Stövchen ist selbstverständlich, der Kandiszucker und etwas Honig auch.
35 Tische weist das Eiscafé auf, geöffnet ist sieben Tage die Woche, montags bis freitags von 10 bis 21 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 22 Uhr. Im Sommer ist auch die Terrasse bewirtschaftet. Drei Minijobs für den Schichtbetrieb hat der Jungunternehmer geschaffen. "Ich muss meine Augen überall haben", sagt Moro. Er bemühe sich, die Stammkunden mit Namen anzureden und er behalte sich auch deren Wünsche. Kundenservice wird groß geschrieben - dazu gehört auch die Tageszeitung zum Lesen.
Croissants oder belegte Ciabatta-Brötchen sind die kleinen Snacks bei Moro. Die Laufkundschaft, vornehmlich die Kinder, die sich an der Theke ein oder zwei Bällchen Eis in der Tüte holen, lassen die Augen des Italieners leuchten. Die Bambinis gehören zum Leben. 60 Cent verlangt er fürs Bällchen und ist damit äußerst preisgünstig. Anfangs hatte er 65 Cent für die große Kugel verlangt, doch bei 60 Cent hat er festgestellt, laufe das Geschäft besser. Die Mundpropaganda, gepaart mit Qualität, sei eben das A und O in der Gastronomie.
Die Familie wird in Hainburg bleiben - dem Lebensmittelpunkt. Die Autobahn vor der Haustür lässt Angelo Moro die Strecke täglich leicht bewerkstelligen. Und für den Notfall hat eine kleine Zwei-Zimmer-Wohnung über dem Eiscafé. Damit er morgens mehr Zeit hat, wieder ein altes Familienrezept aus der Schublade zu holen und ein neues Eis zu produzieren. Denn das ist Chefsache!
|
|
![]() | |


