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 Exklusiv-Gespräch: "Der Preis ist nicht entscheidend"

Zu Gast bei Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle

Deutschland soll wieder ein Gründerland werden. Die langsame wirtschaftliche Erholung bietet viel Raum für neue Geschäftsideen. Das „Gründer-Journal“ mit Herausgeber Andreas Hammer sprach mit Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) über seine Initiativen zur Wirtschaftsförderung.

Der wilhelminische Bau an der Invalidenstraße, um 1900 errichtet, im ehemaligen Ostteil der Hauptstadt, strahlt Ehrwürdiges aus. Militärärzte wurden einst ausgebildet, die Generalstaatsanwaltschaft der DDR residierte hier. Heute hat das kreative Bundeswirtschaftsministerium unter Rainer Brüderle (FDP) hier seinen Sitz. Diese Kreativität wird schon außerhalb der voluminösen Mauern sichtbar. Eine riesige Plakatwand signalisiert dem Besucher, dass ein frischer Wind weht. Die Kreativen sind gefragt, es geht aufwärts. Rainer Brüderle, seit dem 28. Oktober vergangenen Jahres oberster Wirtschaftsherr in dieser Republik, sieht es jedenfalls so. „Gründungen schaffen Wachstum und Beschäftigung. Sie stehen für Kreativität und unternehmerische Freiheit. Deutschland braucht deshalb eine stärkere Gründungskultur.“ „Ich war tief beeindruckt von den hoch motivierten Schülern“, sagt Brüderle und erzählt von einem Besuch in einer Berliner Schulklasse mit hohem Migrantenanteil. Da habe es nur so von Ideen gesprudelt. Gerade kleine flexible Einheiten seien in unserer schnelllebigen Zeit gefragt. Und er weist auf die vom 15. bis 21. November 2010 geplante Gründerwoche Deutschland hin. Hineinverwoben in die Gründungsinitiativen ist die „Kultur- und Kreativwirtschaft“, die zu den wachstumsstärksten Branchen in Deutschland zählt. Im Jahre 2008 erzielte sie einen Umsatz von 132 Milliarden Euro. Und eine Million Menschen sind in 238.000 Unternehmen damit beschäftigt, dass die hergestellten Produkte auch gekauft werden. Die Tendenz gehe heute dazu, nicht unbedingt die billigsten, Produkte zu kaufen, sagt der Wirtschaftsminister, es müssten auch qualitativ hochwertige Produkte sein. „Der Preis ist nicht mehr entscheidend.“ Deutschland will seine klugen Köpfe nutzen. Gründer brauchen Geld, doch nicht immer öffnen die Kreditinstitute ihren Geldsäckel. Nachdem sich in den vergangenen Monaten die Beschwerden von Fremdkapital suchenden Firmen gehäuft hatten, will Brüderle diesem Missstand entgegenwirken. Er hat sich dazu eines französischen Vorbildes bedient: den Kreditmediator. Ende vergangenen Jahres wurde der Kreditschlichter Hans-Joachim Metternich, ein langjähriger Weggefährte des jetzigen Bundeswirtschaftsministers in Rheinland-Pfalz, zum Kreditschlichter berufen. Der Diplom-Kaufmann wird, erläutert Brüderle, einen zweiten Blick in die abgelehnten Kreditanträge tun, um so die Gründe unter die Lupe zu nehmen. Seit dem 1. März prüft nun das Büro Metternich mit Sitz in Frankfurt die abgelehnten Anträge, um dann zwischen Unternehmer und Geldgeber unter anderem mit einem Mediationsverfahren zu vermitteln. Brüderle: „Ziel ist es, ein einvernehmliches Ergebnis herbeizuführen.“ Beeindruckt, so erzählt Rainer Brüderle, sei er von einem Treffen mit Nobelpreisträger Muhammad Yunus gewesen. Dieser habe mit seinem Modell der Mikrokredite in Bangladesch den kleinen Leuten zu einer Arbeit verholfen. „Bis auf den letzten Pfennig haben diese beispielsweise ihre Investitionen in eine Nähmaschine zurückgezahlt“, zitiert er Yunus. Der FDP-Mann steht sicher nicht zu Unrecht auf dem Standpunkt, dass „Arbeit mehr ist als nur Geld verdienen“. Und so sagt er denn auch, dass es besser sei, einen Mikrokredit in Höhe von 5000 Euro beispielsweise für den Betrieb eines Kioskes zu vergeben, als einen Brief zu verschicken, der Mann oder die Frau können sich die „Knete“ als Arbeitslosenempfänger abholen.



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