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 Exklusiv-Gespräch: "Ich sammle Geld"

Zu Gast bei Dietmar Hopp Milliardär & SAP-Mitbegründer

Der deutsche Unternehmer und Mitbegründer der SAP AG, Dietmar Hopp, gilt als einer der reichsten Deutschen. Mit seiner Stiftung hat er Aufsehen erregt, mit seinem Mäzenatentum beim TSG Hoffenheim, bei dem er in der Jugend Fußball gespielt hat, auch. Das "Gründer-Journal" sprach exklusiv mit dem Milliardär Dietmar Hopp über die aktuelle wirtschaftliche Lage, über seine brillanten Geschäftsideen und was er Junggründern rät. Alles ist so anders. Dietmar Hopp (68) hat einen PC und einen Drucker in einer Ecke des Konferenzzimmers im Golf-Club St. Leon-Rot, den er einst gekauft hat. Eine Sekretärin fehlt. Persönlich holt er den Gast am Empfang ab, plaudert mit ihm im Konferenzzimmer unkompliziert und leger und lässt sich mit einem grünen Golfspieler - ein Bäumchen, dass der Gärtner so zurecht geschnitten hat - ganz locker fotografieren. In diesem Konferenzzimmer müssen auch Gründer, die ihn als Geldgeber gewinnen wollen, ihre Ideen vortragen. Die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands liegt Dietmar Hopp besonders am Herzen. Neue Technologien in allen Wirtschaftszweigen sind in weiten Bereichen vom Strom abhängig. Teure Energie macht viele Ideen zunichte, daher setzt Hopp vorbehaltlos auf die Kernenergie. Auf jeden Fall, sagt er, müssten die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängert werden. So könnten über 40 Milliarden Euro eingespart werden. Deutschland sei einst führend in der Atomtechnologie gewesen. Doch jetzt drohe, dass die Republik auf ein Mittelmaß absacke. Die Nachbarländer Frankreich und Polen würden nur darauf warten, den Atomstrom zu verkaufen und könnten dabei den Preis bestimmen. Und Hopp sagt auch eindeutig: "Windräder an Nord- und Ostsee retten uns nicht." Der am 26. April 1940 in Heidelberg geborene Diplom-Ingenieur, der sein Examen 1966 an der TH Karlsruhe ablegte, war zunächst als Software-Entwickler bei IBM tätig, von 1968 bis 1972 in der Niederlassung Mannheim als Systemsberater. Drehpunkt seines späteren Erfolges war der Chemiekonzern ICI. Zusammen mit Kollegen hatte er 1972 die Firma "Systemanalyse und Progammentwicklung" gegründet, aus der 1988 die SAP AG wurde. Dahinter stand die Idee, den Unternehmen Standardsoftware statt aufwändige Eigenentwicklungen anzubieten. Bei der Firma ICI war das entwickelte Programm ein voller Erfolg, für sein Unternehmen auch, denn man hatte sich ausbedungen, das Entwickelte auch anderweitig verkaufen zu dürfen. Im Rückblick sagt Dietmar Hopp: "Es war schon ein verwegenes Unternehmen." Von 1988 bis 1998 war Dietmar Hopp Vorstandsvorsitzender, danach bis 2003 Vorsitzender des Aufsichtsrates und schließlich noch zwei Jahre einfaches Mitglied im Aufsichtsrat der SAP AG. Seit seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft ist Hopp als Mäzen und Investor tätig. Dabei unterstützt er besonders medizinische Projekte. Er fördert den Sportnachwuchs und hier besonders den TSG 1899 Hoffenheim. "Ich helfe ein bisschen bei der Jugendarbeit", sagt der Milliardär bescheiden und merkt an, dass er die Jugend nicht nur am Fußball, sondern auch in der Berufsschule ausbilden lässt. Mit seinem Verein will er Erfolg, und den hat er in den vergangenen Jahren auch erreicht, doch ein Übertrumpfen von Bayern München, das liegt ihm nicht und das will er auch nicht. Die Ratschläge an Junggründer hören sich einfach an, doch bekanntlich liegt darin die Wahrheit. "Man muss richtig fleißig sein, an sein Ziel glauben und 60 bis 80 Stunden in der Woche arbeiten", sagt er und denjenigen, die in einer Gruppe arbeiten, gibt er den wichtigen Ratschlag mit, den viele in der Wirtschaft heute nicht beherzigen: "Man darf den Chef nicht raushängen lassen, Teamarbeit ist das Geheimnis des Erfolges." Nur mit der Ausschöpfung des gesamten Potentials komme man vorwärts. Und es sei eine alte Weisheit, dass ein gemaßregelter Mensch in Deckung gehe und bewusst oder unbewusst nicht mehr sein Potential ausschöpfe. Dietmar Hopp weiß, wovon erspricht. "Wir haben am Anfang alles gemacht, oftmals war die Nachtarbeit eingeschlossen." Aber Dietmar Hopp hat auch seine Wünsche an die Politik, nicht nur als Verfechter der Kernenergie, sondern auch als ein Unternehmer, der Gründer fördert. Ein einfaches Steuersystem gehöre dazu und auch die Tatsache, dass Jungunternehmer angehäufte Verluste selbst abbauen können und nicht verkaufen müssen. Auch wenn Dietmar Hopp sich heute aus dem SAP-Geschäft zurückgezogen hat, der Reiz des Neuen ist immer noch da. Nach IT kommt für ihn Biotech. Mehr als ein Dutzend Beteiligungen an Biotech-Unternehmen besitzt er. Und er ist auch bei Firmen eingestiegen, die sonst Pleite gemacht hätten. Arbeitsplätze gelte es zu erhalten. Gleichzeitig weiß er um das Risiko. Und er ist stolz auf seine Frau Anneli, mit der er seit 41 Jahren verheiratet ist. Immer habe sie ihn unterstützt. Und seine beiden Söhne Oliver und Daniel sind ebenfalls gut im Geschäft, der erste in Frankreich bei einer großen Ferienanlage, der andere als Geschäftsführer der Mannheim SAP-Arena. Aber was macht ein solcher Unternehmer in seiner Freizeit - außer Golf spielen? Turmuhren jedenfalls sammele er nicht, lässt er schmunzelnd auf eine entsprechende Frage wissen und fährt fort: "Ich sammle auch keine Briefmarken, ich sammle einfach Geld."



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