"Ein Kunde ist wie ein guter Chef"
Für Gabriel Benz aus dem württembergischen Weingarten passt es schon zusammen: Wirtschaftsmathematik und Kolumbien. Doch das ist noch nicht alles für den 38-Jährigen. Als Existenzgründer war er der erste, der das KfW-Coaching der Mittelstandsbank in Hessen in Anspruch nahm.
Benz war begeistert von der Möglichkeit, zehn Coaching-Tage - sozusagen nach Bedarf - innerhalb von fünf Jahren nach der Gründung "abzurufen. In den neuen Bundesländern ist dieses Pilotmodell bereits getestet. "In Hessen ist es ein Novum", sagt Gründungs-Coacher Andreas Hammer von der Gesellschaft für Existenzgründungsberatung im hessischen Niederdorfelden.
Gabriel Benz gehört zu jenem Schlag Menschen, die sich im Rahmen der Mittelstandsoffensive selbstständig machten, das Risiko jedoch genau abschätzten und dabei auf eine solide Beratung setzten. Nicht jeder kann im Dschungel der Bürokratie alles wissen, meint Benz, der zusätzlich auf eine Berufserfahrung zurückblicken kann.
Mathematik und Betriebswirtschaftslehre hatten den jungen Gabriel Benz schon immer begeistert. Und auch das soziale Engagement prägte ihn bereits beim Zivildienst. 1990 war er erstmals in Mittelamerika zu einem dreimonatigen Sprachaufenthalt: Guatemala und Honduras. Drei Jahre später, nach dem Grundstudium der Wirtschaftsmathematik in Ulm, schob er zwei Auslandssemester in Kolumbien an der Universität Medellin ein. Daraus entwickelte sich seine Diplom-Arbeit zum Thema "Der Versicherungsmarkt in Kolumbien". Ab 1998 war Gabriel Benz dann als DV-Organisator bei der Westdeutschen ImmobilienBank in Mainz. Dort hat er spezielle Software eingeführt. "Es hat großen Spaß gemacht", sagt er mit strahlendem Gesicht. Als dann die Arbeit an Externe übergeben wurde, hat sich Benz ein neues Betätigungsfeld gesucht, wobei die Tätigkeit gleich geblieben ist: die Arbeit mit Software. Die Euphorie, die ihn schon immer bei der Arbeit beflügelte, hat er mitgenommen. Als Freiberufler hat er für zwei Kunden gearbeitet. "Ich war eingebettet in die Unternehmen wie ein Angestellter, erhielt regelmäßig mein Geld", sagt er. Und regelmäßig musste auch der Vertrag verlängert werden. "Ein Kunde ist wie ein guter Chef."
Im September 2004 ist er dann bei den Wirtschaftsjunioren in Frankfurt "hängengeblieben". Ihm wurde klar, dass er alle Voraussetzungen als Berater und Dienstleister für die Standardsoftware "SimCorp Dimension" (dies ist eine in sich abgeschlossene durchgängige Software zur Verwaltung des kompletten Investments) besitzt. Er schritt zur Gründung. Er stellte fest, dass die notwendigen Hürden schnell und unbürokratisch überwunden werden konnten, auch die Fragen der Spezialkreditfinanzierung ließen sich ausgezeichnet lösen. Dabei, ergänzt er, habe Armin Domesle als zuständiger RKW-Berater schnell geholfen. Das Ergebnis: Die FSC Financial Software GmbH mit Sitz in Kelkheim/Hessen.
Die Herausforderungen des sozialen Engagements in der Dritten Welt haben den IT-Unternehmer Gabriel Benz nicht losgelassen. Er wurde Mitgründer der "KiKo", der Kinderhilfe für Kolumbien e.V. Und er engagiert sich in der Jugendarbeit der katholischen Kirche. Dabei trägt seine Frau Petra, die ebenfalls Wirtschaftsmathematik studiert hat und halbtags bei einer amerikanischen Computerfirma beschäftigt ist, diese Interessen mit. Die Hochzeitsreise führte - wie könnte es anders sein - nach Kolumbien. Joggen, Halbmarathon und Krimis von Donna Leon faszinieren den Geschäftsführer Benz ebenso wie das Spielen mit Sohn Andreas. Bereits auf seiner Internetseite wird er unter dem Stichwort "Fotogalerie" vorgestellt: als künftiger Berater für die langfristige Kundenbeziehung. Wenn das keine Zukunftsaussichten sind.
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